Psychologische Wirkung von Lichtfarben

Nicht nur verschiedene Lichtstärken haben Auswirkungen auf unseren Körper, auch Lichtfarben wirken sich individuell auf den Menschen aus.
Dabei spielen Prägungen und Natur ebenso eine Rolle wie kulturelle Aspekte und persönliche Vorlieben.

Die Wirkung auf den Menschen ist von den Faktoren Lichtfarbe, Beleuchtungsstärke und Lichtrichtung bzw. Gleichmäßigkeit abhängig. Im Zusammenspiel schaffen diese eine Lichtatmosphäre, auf die wir Menschen reagieren.

Auswirkungen von weißen Lichtfarben

Die Lichtfarbe des Sonnenlichts verändert sich im Laufe des Tages. Sonnenlicht setzt sich aus allen Lichtfarben zusammen, dies kann man z.B. in der Brechung des Lichtes bei einem Regenbogen gut beobachten. Morgens und Abends steht die Sonne tief, die Strahlen werden an den Atomen der Gasteilchen in der Atmosphäre gestreut (Rayleigh-Streuung) und langwelliges, rotes Licht überwiegt. Mittags hat das Sonnenlicht eine eher bläuliche Farbe. Die Kelvin des Lichts verändert sich also im Laufe des Tages von wärmeren Lichtfarben (2800, 3000 Kelvin) am Morgen über kältere Lichtfarben mittags (bis 7000 Kelvin) wieder nach wärmeren Lichtfarben abends.
Wärmere Lichtfarben werden mit Gemütlichkeit assoziiert. Warme Lichtfarben fördern die Bildung des Schlafhormons Melatonin, kältere Lichtfarben verringern den Melatoninwert im Blut und steigern die Leistungsfähigkeit.

Im Arbeitsbereich setzt man so weniger warme Lichtfarben ein. Speziell im Nachtschichtbetrieb kann man die Leistungsfähigkeit und Aufmerksamkeit mit kühleren Lichtfarben (5000 – 6000 Kelvin) steigern.

In Bereichen mit längeren, sitzenden Tätigkeiten sind diese Beleuchtungen allerdings zu kühl und werden subjektiv als kalt wahrgenommen. Hier kommen Lichtfarben um 4000 Kelvin zum Einsatz.

Im Wohnbereich werden wiederum die warmen Lichtfarben bevorzugt verbaut und sorgen für eine wohnliche, gemütliche Atmosphäre.

Auch im medizinischen Bereich macht man sich die Wirkung von veränderlichen Lichtfarben im Tagesablauf zunutze. Mit Hilfe der Lichtfarben kann so der natürliche Sonnenverlauf simuliert werden und der Tagesablauf z.B. von Demenskranken strukturiert werden.

Psychologische Auswirkungen von farbigem Licht

Farben haben ebenfalls psychologische Effekte auf den Menschen.
So werden Rottöne und Orangetöne als warm empfunden, Blautöne als kühl.

Der Effekt wurde schon oft untersucht. Z.B. findet man unter Göthes Farbenlehre (Veröffentlicht 1810) schon eine Untersuchung hierzu.

Dies tritt nicht bei jedem gleich intensiv auf, ist mit Vorlieben und persönlicher Erfahrung verknüpft, und unterliegt sogar kulturellen Unterschieden, kann aber dennoch grob eingeteilt werden.

Rotes Licht

Rot wirkt aktiv, dynamisch und kräftig. Nicht zuletzt ist es eine Signalfarbe.
Es regt die Körperfunktionen an und Leistung kann mit rotem Licht gesteigert werden.
Herzschlag und Atmung werden beschleunigt und es kommt zu gesteigertem Adrenalin im Blut. Ein zu viel an Rot kann aber Nervosität steigern und Unruhe fördern.

Rotes Licht

Oranges Licht

Orangefarbenes Licht wirkt wärmend, freundlich, optimistisch und appetitanregend.
Akzente in orange können in Aufenthaltsbereichen eine Wohlfühlatmosphäre schaffen und Kommunikation fördern.
Ein zu viel kann aber ebenso wie Rot Nervosität verstärken.

Oranges Licht

Gelbes Licht

Gelb wirkt warm (als Assoziation zum Sonnenlicht) und freundlich. Es fördert die Kreativität, Aufnahmefähigkeit und Lebensfreude.

Gelbes Licht

Grünes Licht

Wirkt als Assoziation zur Natur (Vegetation) beruhigend und entspannend.
Demzufolge wird die Atemfrequenz verringert und die Entspannung gefördert.
Grüne Akzente können gut in Ruheräumen eingesetzt werden.

Grünes Licht

Blaues Licht

In Assoziation mit Himmel und Meer vermittelt Blau Weite und Ruhe. Es fördert die Konzentration und wirkt beruhigend bzw. geistig entspannend. Herzschlag und Blutdruck werden gesenkt. Räume in vorwiegend blauer Beleuchtung wirken kühler als der reale Messwert.

Blaues Licht

Violettes Licht

Violett konnte früher schwer hergestellt werden und wirkt daher immer noch als wertig und steht allgemein für Luxus.
Je nach Intensität wird Violett sehr unterschiedlich wahrgenommen. Es kann die Fantasie fördern, zu dunkles Violett wirkt aber bedrohlich.

Violettes Licht

Licht-Intensitäten

Verschiedene Licht-Intensitäten strukturieren ebenfalls unseren Tag bzw. die Nacht. Beleuchtungsstärken steigen zum Mittag hin an und fallen dann stetig wieder ab.
Mittags kann die Beleuchtungsstärke 100.000 Lux erreichen und fällt in der Nacht bis auf 1 Lux ab.
Durch künstliche Beleuchtung verlängern wir den Tag und können auch in der Nacht noch unseren Interessen oder Arbeiten nachgehen.
Auch über den Jahresverlauf schwankt die durchschnittliche Lichtmenge. Von den eher dunkleren Monaten im Winter mit kurzen Tagen zu den lichtdurchfluteten Sommermonaten gibt es deutliche Schwankungen in der Beleuchtungsstärke.
Weniger Licht im Winter kann zur Winterdepression führen. Letztlich ist dies ein Überbleibsel aus früheren Zeiten. Es war von Vorteil, im Winter weniger Energie aufnehmen zu müssen. Also wird ein Energiesparmodus aktiviert. Dies tritt in verschiedenen Abstufungen auf und kann sogar Depressionen hervorrufen.
Der Effekt kann auch bei längeren Arbeiten in dunklen Räumen beobachtet werden.
Ausreichend Sonnenlicht hilft hier. Genügend hohe Beleuchtungsstärken und ein ausgeglichenes Lichtspektrum kann zwar das Sonnenlicht nicht ersetzen, hilft aber den Effekt zu reduzieren.

Lichtrichtung bzw. Gleichmäßigkeit

Im Arbeitsbereich ist oft eine gleichmäßige Beleuchtung gewünscht. Gute Erkennbarkeit der Arbeitsgeräte und Werkgegenstände fördert die Effektivität am Arbeitsplatz und verringert Fehler. Schatten, ungleichmäßige Beleuchtung oder zu geringe Beleuchtungsstärken führen zu Ermüdung und Fehlerquellen.
Außerhalb des Arbeitsbereiches kann eine zu gleichmäßige Beleuchtung aber schnell reizarm wirken und Räume steril wirken lassen. In Besprechungsräumen, Büros, oft in der Wohnraum-Ausleuchtung werden Räume mit Akzenten und Beleuchtungsbereichen verschieden Ausgeleuchtet und so für den Menschen interessant gestaltet. Auch verschiedene Lichtrichtungen können hier in das Beleuchtungskonzept einfließen.

Eindringtiefen von Lichtwellen in die Haut

Neben den psychologischen Wirkungen dringen Lichtstrahlen je nach Wellenlänge verschieden Tief in die Haut ein und verursachen physische Veränderungen.

Infrarot (Wärmestrahlung) dringt am weitesten in die Haut ein, wird aber registriert und ein zu viel dieser Strahlung kann vermieden werden (Verbrennungen). Dagegen wird UV Strahlung nicht wargenommen. UV A Strahlung lässt Haut bräunen, UV-B Strahlung fördert die Vitamin-D Bildung und UV-C Strahlung wird zur Desinfektion eingesetzt. In der Haut kann die kurzwellige UV Strahlung aber auch zu Schädigungen des Erbgutes führen und Hautkrebs verursachen.

Auch sichtbares Licht kann je nach Wellenlänge mehr oder weniger Eindringtiefe vorweisen.
Je näher die Lichtfarben an Infrarot heran reichen, desto tiefer dringen sie in die Haut ein.

Eindringtiefe von Lichtwellen in die Haut